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Wirtschaft

29.01.2019 - Artikel


Grundlinien der Finanz- und Wirtschaftspolitik

Die Republik Zypern hat eine marktwirtschaftliche Wirtschaftsverfassung. Das Land ist bestrebt, seine europäische und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und als EU-Mitgliedsland im östlichen Mittelmeer die Wirtschaftsbeziehungen zu den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens auszubauen.

Aufgrund der Krise des zyprischen Bankensektors wurden Zypern zwischen 2013 und 2016 Finanzmittel über ein Anpassungs- und Reformprogramm von ESM und IWF in Höhe von 10 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Infolge der guten wirtschaftlichen Entwicklung wurden davon nur ca. 7,2 Milliarden Euro abgerufen und Zypern konnte das Programm im März 2016 verlassen.

Große Hoffnungen setzte die Republik Zypern in Gasvorkommen in ihrer Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, gemäß internationaler Seerechtskonvention UNCLOS), nachdem Probebohrungen der US-Firma Noble Energy Ende 2011 erfolgreich verliefen. In einem mehrstufigen internationalen Lizenzierungsverfahren zur Exploration wurden in der Folge die einzelnen Blöcke in der zyprischen AWZ durch die Regierung an international tätige Unternehmen vergeben. Der erhoffte große Gasfund ist bisher aber ausgeblieben.

Die Diskussion um die Gasvorkommen befördert Spannungen zwischen Zypern und der Türkei, die die zyprische AWZ (Ausschließliche Wirtschaftszone) nicht anerkennt und sich gleichzeitig für die Interessen des türkisch-zyprischen Bevölkerungsteils einsetzt.

Aktuelle Wirtschaftslage

Zypern befindet sich im vierten Jahr der wirtschaftlichen Erholung. Privater Konsum, Tourismus und Investitionen in Immobilien und Schiffe tragen ausschlaggebend dazu bei. 2017 lag das BIP-Wachstum bei 4,2 %. 2018 setzte sich der Aufschwung fort, für das Gesamtjahr 2018 wird ein Wachstum von rund 4 % erwartet. Das BIP betrug im Jahr 2017 19,2 Milliarden Euro. Das Pro-Kopf-Einkommen lag im Jahr 2018 bei rund 22.000 Euro, die Arbeitslosenquote ging auf rund 7,3 % zurück.

Wichtigste Wirtschaftszweige

Der bedeutendste Wirtschaftszweig Zyperns ist das Dienstleistungsgewerbe, vornehmlich bestehend aus Tourismus- sowie Finanz- und Unternehmensdienstleistungen (zusammen 80 Prozent der Wirtschaftsleistung). Die Tourismusbranche bildet die wichtigste Einnahmequelle der Wirtschaft des Landes und erlebte in den letzten Jahren einen ungebrochen starken Aufschwung. Im Vergleich zu 2015 mit 2,6 Mio. Touristen lag die Besucherzahl im November 2018 bereits bei knapp über 3,8 Millionen, davon ca. 180.000 deutsche Urlauber.

Auch der Schifffahrtssektor stellt einen der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes dar und umfasst rund 4.500 Arbeitsplätze an Land, vorwiegend im Bereich Schiffsmanagement. Der Anteil deutscher Reeder am onshore Schiffsmanagement liegt bei ca. 60 % des zyprischen Marktes.

Im Bereich der Finanzdienstleistungen bleibt Zypern nicht zuletzt aufgrund der attraktiven Steuergesetzgebung ein interessanter Standort. Der Bankensektor und angrenzende Sektoren wie Beratungen und Wirtschaftskanzleien, aber auch der Immobiliensektor, sind nach wie vor von großer Bedeutung für die zyprische Wirtschaft.

Daneben versucht die zyprische Regierung vor allem die Realwirtschaft zu fördern und zu stärken. So bestehen derzeit mehrere KMU-Förderprogramme, die zum größten Teil von der EU kofinanziert werden. Zudem ist im Rahmen der EU-2030-Zielsetzung, der Ausbau sowie die Förderung des Bereiches der Erneuerbaren Energien in den Fokus der Regierung geraten. Aufgrund der vielen Sonnentage und der geringen, vorhanden Maßnahmen zur Energieeffizienz besteht hier deutliches Potential.

Das Programm „Investition für Staatsbürgerschaft“ brachte Zypern seit 2013 rund knapp 4,8 Milliarden Euro Einnahmen. Rund 3.300 zyprische Pässe wurden seitdem ausgestellt. Die zyprische Staatsbürgerschaft kann beantragen, wer mindestens zwei Millionen Euro in die zyprische Volkswirtschaft investiert und eine Immobilie erwirbt.

Außenhandel

Die zyprische Wirtschaft leidet traditionell an einer Exportschwäche, die sich 2017 in einem Handelsbilanzdefizit von 5,1 Milliarden Euro niederschlug. In den ersten neuen Monaten 2018 erhöhten sich die Importe von Produkten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast ein Fünftel. Besonders gestiegen sind die Einfuhren von Erdölprodukten. Noch stärker war der Zuwachs bei den Exporten. Diese legten im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte zu. Dazu haben vorrangig die Ausfuhren von Eisen-, Stahl- und Kupferprodukten sowie Erdölprodukten beigetragen.

Der Export nach Deutschland lag 2017 bei etwa 120 Mio. Euro zu. Zyprische Exporte bestehen überwiegend aus chemischen Erzeugnissen, Nahrungsmitteln (Kartoffeln, Wein, Zitrusfrüchte) und Rohstoffen.

2017 führte Zypern aus Deutschland insgesamt Waren im Werte von rund 567 Millionen Euro  ein. Die wichtigsten Einfuhrgüter sind Kraftfahrzeuge, Maschinen, Industriebedarf.

Griechenland ist derzeit mit einem Anteil von 14 Prozent wichtigster Handelspartner Zyperns (Stand: September 2018). Deutschland fiel vom zweiten auf den fünften Platz und hat nur noch einen Anteil von circa 5 Prozent. Während die Lieferungen nach Deutschland um rund 18 Prozent gestiegen sind, gingen die Importe um etwas 10 Prozent zurück.

Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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